V I T A

Michael Lindemann, 1957 in Templin geboren, lernte zunächst Maler und Lackierer in einem schwäbischen Handwerksbetrieb. Hier wuchs natürlich die Liebe zur Farbe und damit auch zu besonders gestalteten Wänden. Bei verschiedenen Meistern lernte er Spachteltechniken, Schwammtechniken und Lasurtechniken, aber auch das Arbeiten mit Blattgold und Hinter-Glas-Vergolden. Erste Erfahrungen mit der Kalligrafie im Zusammenhang mit Hinterglasvergoldungen wurde gemacht. Diesen Einfluss konnte man bei späteren Arbeiten immer wieder erkennen, wie beispielsweise im selbstgestalteten Logo des eigenen Büros. 

Es folgte ein Studium der Innenarchitektur und des Möbeldesigns u.a. bei Prof. Karl-Georg Bitterberg und Prof. Karin Kirsch an der Hochschule in Stuttgart, das er mit Diplom abschloss. Zur Finanzierung des Studiums arbeitete er schon während des Studiums in verschiedenen Architekturbüros und übernahm gelegentlich auch erste Aufträge als Wandgestalter. Die im Studium erlernten Zeichentechniken erwiesen sich als sehr hilfreich. So wurde er von einem Stuttgarter Unternehmer mit einer zentralperspektivischen Malerei in dessen Privathaus beauftragt. An Dokumentation dachte er damals noch wenig, sodass es versäumt wurde, dies fotografisch festzuhalten. Verblieben sind lediglich Skizzen. Aus diesen und in Anlehnung an das Original entstand in neuerer Zeit die Grafik „Spanischer Tänzer auf Tournee“. Diese Grafik wiederum war Anstoß für eine Serie aus Zentralperspektiven, mitunter mit nicht ganz ernst zu nehmendem Hintergrund, zunehmend aber mit gesellschaftskritischen Anspielungen, fortgeführt bis heute. Das fotografische Handwerk, einschließlich Entwicklung der eigenen Arbeiten im schwarz/weiß-Labor lernte er über die Jahre bei seinem Mentor Georg Arta. In dieser Zeit entstanden nicht nur Porträtfotos, sondern auch die ersten Fotografien mit Architekturbezug. Einige Veröffentlichungen folgten. Ein Faible für Schwarzweiß Bilder ist bis heute zu erkennen. Anschließend studierte er Architektur und Stadtplanung an den Universitäten in Dresden und Stuttgart und diplomierte schließlich in Stuttgart bei Prof. Dr. phil. Hans Herbert Buchwald. Von dort inspiriert setzte er sich thematisch und phasenweise  immer wieder mit den Opfern des zweiten Weltkrieges auseinander. Es folgten einige Jahre als Projektleiter in verschiedenen Architekturbüros mit Projekten im In- und Ausland. Seit 1999 betreibt Michael Lindemann ein eigenes Architekturbüro. Der Fotoapparat blieb währenddessen ständiger Begleiter. Malerei, Zeichnung und Grafik wurden zunehmend vernachlässigt. Erst in den letzten Jahren, nachdem es den Bauherren wichtiger erschien billig statt gut zu bauen, verlagerte Michael Lindemann wieder den Schwerpunkt seiner Arbeiten zurück zur Kunst. Arbeitsaufenthalte in Rom, Barcelona und Lissabon folgten. Es entstanden in dieser Zeit zahlreiche Fotografien von Kunstwerken anderer Künstler, bezeichnet als „Guerilla Kunstografie“, jeweils mit eigenem künstlerischem Anspruch, aber auch Aufnahmen von beeindruckenden Bauwerken. Nachdem durch die Pandemie reisen immer schwieriger wurde, fand er zu Themen mit Bezug zu den Opfern des zweiten Weltkrieges zurück. Arbeitsaufenthalte in Nürnberg und Berlin folgten. Wesentliches Ergebnis hieraus ist eine Fotoserie des Holocaust Mahnmal Berlin in Farbe, die eigentlich Schwarzweißfotografie suggeriert. Eine Ausstellung hierzu war bisher nicht möglich, ist aber für 2023 geplant. Michael Lindemann lebt und arbeitet in Leutenbach / Stuttgart.